Die Gruitener Kaufmannsfamilie Lohoff

Die Familie Lohoff kam 1902 von Remscheid nach Gruiten.    Gustav A. Lohoff unterhielt ein Fouragegeschäft          (Pferde-, Futter- und Düngemittel ).  Das Geschäft dort wurde wegen des Vordringens der Eisenbahn aufgegeben.
Vater Lohoff betrieb sein Fouragegeschäft in Gruiten weiter. Zuerst bewohnten die Lohoffs in Gruiten das Haus an der Ecke Bahn- und Breite Straße. Die beiden Söhne Walter und Carl, die in Eisenwarengeschäften ihre Lehre machten, interessierten sich mehr für ihre erlernte Branche. Das neue Eisen- und Haushaltwarengeschäft Lohoff , wurde am 1.Mai 1910 in der Bahnstraße 28 gegründet. Es entwickelte sich sogleich gut. Die Landwirtschaft im weiten Kreise waren die bisherigen Kunden, denen nun auch Eisenwaren, landwirtschaftl. Geräte und Haus- und Küchengeräte angeboten und verkauft wurden. Das zur Geschäftsgründung von Otto Geigis (der den benachbarten "Ratskeller" bewirtschaftete) gemietete Haus Bahnstr. 28 konnte bereits 1912 käuflich erworben werden. Lagerräume wurden angebaut.
Bei Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 mussten beide Söhne ins Feld. Carl fiel schon Anfang 1915(Grabkreuz am Eingang des Ev.Friedhofs). Walter kam Ende 1918 aus dem Krieg zurück. Das Geschäft war durch Warenmangel auf dem Nullpunkt angekommen. Ein neuer Anfang wurde gemacht, Walter Lohoff wurde offiziell Teilhaber. 1919 heiratete er. Beide Eheleute stammten von Höfen in Wülfrath: Püttbach und Groß-Schrammenhaus. Drei Töchter wuchsen in dem Geschäftshaushalt auf.
Als die Franzosen 1923 zur Ruhrbesetzung einzogen und eine geschlossene Zollgrenze von Norden nach Süden legten, wurde das Geschäft vom größten Teil aller Lieferanten abgeschnitten. Der Warenmangel wurde so groß, dass das Geschäft nur noch wenige Stunden am Tage geöffnet werden konnte und selbst dafür musste die Ware teilweise durch Schmuggel herangeschafft werden. Als die Franzosen abzogen, war das Warenlager leer und das Gewerbekapital durch die Inflation aufgezehrt.
Am 1.Januar 1924 kam die neue Währung und der Wiederaufbau begann zum dritten Mal und diesmal mit längerem guten Erfolg. Walter Lohoff übernahm das Geschäft als alleiniger Inhaber unter Beibehaltung der alten Firmenbezeichnung. Das Fouragegeschäft wurde aufgegeben.

Roderich Kuchem

Walter Lohoff

1929 begann die große Arbeitslosigkeit, die 1933 ihren Höhepunkt erreichte. Die Hitlerregierung brachte auch nur einen leichten Aufschwung, der schon 1936 durch Fabrikationsverbot für viele Waren ( zugunsten der Aufrüstung ) gebremst wurde. Im zweiten Weltkrieg wurde die Ware wieder so knapp wie in der Franzosenzeit. Es gab Zuteilungen und Eisenscheine und beides funktionierte nicht, hing auch vielfach vom guten Willen der Nazi-Behörden ab.

Die Gebäude an der Bahnstraße wurden im Krieg mehrfach durch Bomben stark beschädigt, aber nicht zerstört. So ging einmal eine Luftmine an einem Heiligen Abend auf der Kreuzung am Rathaus hoch, so dass die Scheiben des einen Schaufensters im Geschäft, aber die Scheiben des anderen Fensters auf der Straße lagen.

Am 16.April 1945 kam es im Keller des Geschäftshauses Bahnstraße 28 (Bataillonsgefechtsstand) zu jener denkwürdigen Zusammenkunft, bei der es gelang, den Kommandeur der Ortstruppe von der Sinnlosigkeit eines Kampfes um den Ort Gruiten zu überzeugen. Die Sprengung der Brücke Hochstraße war bereits vorbereitet. Später schrieb Oberleutnant Baczewski an Walter Lohoff: "Ihr Einfluss, Ihr Alter und Ihre grauen Haare waren es, die mir am 16.April 1945 den richtigen Weg wiesen. Ich war damals noch so jung und ohne Sie hätte ich bestimmt die einzig richtige Handlungsweise nicht gefunden." So konnte der Ort Gruiten ohne weitere Zerstörung kampflos übergeben werden.

Am 18.4.2015 ( 70 Jahre Kriegsende) wurde nach einem ökumen. Gottesdienst folgende Gedenktafel am Geschäftshaus angebracht. Landrat, Bürgermeister und viele Haaner und Gruitener wohnten der Anbringung bei. Das Presseecho war enorm. 

Roderich Kuchem

Als der Krieg zu Ende ging, war das Warenlager wieder leer und das Gewerbekapital wieder durch die Inflation aufgezehrt. Mit Einführung der neuen Währung 1948 begann der Wiederaufbau zum vierten Mal.

Walter Lohoff hatte eine besondere Beziehung zur Geschichte. Er war Ortsbeauftragter der Gemeinde Gruiten des Bergischen Geschichtsvereins (Abt.Niederberg). Außerdem galt er als Waffenkenner und wurde bei Bedarf von der Gemeindeverwaltung zu Rate gezogen. Seine Waffensammlung ist heute in Teilen in der ständigen Ausstellung des Stadtmuseums in Ratingen zu sehen. Nichts konnte die korrekte, solide Art und Grundlage der Geschäftsfamilie Lohoff erschüttern. Genau das schätzten auch die Gruitener. 1960 konnte das 50jährige Jubiläum des Geschäftes gefeiert werden. Ein paar Jahre später verpachtete er das Geschäft und setzte sich zur Ruhe.

Gerda Lohoff

Von den Töchtern war Gerda Lohoff im Geschäft geblieben. Sie hat (wie viele Jahre später ihr Neffe) den "Stegmann-Kurs" bei der Porzellan- und Glasindustrie in Zwiesel und Selb besucht. Das Geschäft übernahm sie aus gesundheitlichen Gründen aber nicht. Stattdessen hat sie 20 Jahre nach dem Abitur noch ein Lehramtsstudium absolviert. Aus ihrer Zeit an der Gruitener Grundschule war sie gerade in Gruiten noch vielen bekannt. Nach ihrer Pensionierung 1986 eröffnete ihr Neffe Roderich Kuchem wieder ein Haushalt- und Eisenwarengeschäft an alter Stelle. Noch fast 25 Jahre half Gerda Lohoff dort immer wieder aus.

Gerda Lohoff wurde in dem Haus an der Bahnstraße geboren und hat Zeit ihres Lebens nur eine Heimatadresse gehabt: Gruiten, Bahnstr.28.

Presbyter der Evang. Kirche

Gustav A. und auch sein Sohn Walter waren viele Jahre Presbyter der Evang.-ref. Kirchengemeinde. 1938 erhielt Gustav A. von der Landeskirche eine Urkunde für 30 Jahre ehrenamtliche Mitarbeit. Dabei wurden seine Verdienste bei der Neuanlage des Friedhofs hervorgehoben. Später war er „Ehrenpresbyter“. Seine jüngste Enkelin, Irmhild Kuchem geb.Lohoff, erinnert sich mit durchaus gemischten Gefühlen daran, dass bei ihrer Konfirmandenprüfung sowohl Vater als auch Großvater in der Presbyterbank saßen. Die Pfarrer der Gemeinde waren bei den Familien gern gesehene Gäste. 
Roderich Kuchem ist auch bereits viele Jahre Presbyter der Gemeinde und im Herbst 2012 für weitere acht Jahre in den neunköpfigen Vorstand der Synode des Kirchenkreises Niederberg gewählt worden. Im April 2014 wählte die Kreissynode ihn zum Delegierten der Landessynode der Evang.Kirche im Rheinland. Im Juni 2016 wurde er für weitere vier Jahre im Amt bestätigt.